Danke für deinen Mut liebe Anne, dich hier öffentlich zu zeigen. Ich schätze dein Vertrauen sehr und freue mich, dass auch du ein Zeichen für unsere entfremdeten Kinder damit setzt. ❤️‍🩹🙏

In schweren Zeiten wollen Menschen nicht gesagt bekommen, dass sie doch au die gute Seite schauen sollten. Sie wollen wissen, dass Du auf ihrer Seite bist.

Elvira Larsen

Anne’s Geschichte Teil 1

„Ich nehm dir die Kinder weg“!

Schon einige Zeit begleitet mich, Anne, die Sorge um meine, mir vom Vater genommene Tochter. Lange Zeit fand ich kaum Informationen zu dem was mir da passierte. Das Jugendamt riet mir nur zur Gelassenheit, es könnte ja nichts passieren.

Zu Freundinnen sagte ich oft: Die Antworten auf meine Fragen finde ich in keinem Lehrbuch.

Nachdem meine Tochter dann vor einem Jahr den Kontakt zu mir völlig abbrach, begann ich erneut nach Informationen zu suchen.

Ich fand nun Online andere betroffene Eltern und begann ganz vorsichtig den einen oder anderen Text auf Instagram zu schreiben.

So wurde Elvira auf mich aufmerksam und fragte vor einiger Zeit, ob ich einen Gastbeitrag auf Ihrem Blog schreiben möchte. Diese Einladung nahm ich gern an, denn es ist Zeit, dass gesehen wird was manchen getrennten Elternteilen und insbesondere den entfremdeten Kindern, aber auch den Angehörigen passiert.

In meinem Fall ist die ganze mütterliche Familie vom Kontaktabbruch betroffen. Nachdem meine Tochter mit 14 Jahren zu ihrem Vater zog, ist der Kontakt zur Oma, zu den Tanten, Onkeln und auch zum Cousin direkt verloren gegangen. Eine Zeit lang hatte ihr Bruder ganz selten und meist zufällig noch Kontakt zu ihr. Inzwischen wissen wir alle noch nicht einmal mehr, wo sie lebt, wie es ihr geht und was sie tut.

Der Beginn der Entfremdung

Bereits 2011 endete meine Ehe und ich bat meinen damaligen Mann die gemeinsame Wohnung zu verlassen. Unser Zusammenleben war schon über viele Jahre schwierig und alle Versuche die Gemeinsamkeit zu retten waren gescheitert.

Tatsächlich war ich schon lange alleinerziehend. Mein Ex-Mann verbrachte seine Freizeit wahlweise in seiner Werkstatt oder damit Online in der ganzen Welt alles mögliche zu kaufen. Besonders gern Auto- und Motorradteile, aber auch quer Beet alles was er brauchbar fand. Den Überblick über alle gekauften Dinge hatte er längst verloren. Leider auch den Überblick über unseren Finanzhaushalt.

Das Zusammensein mit den Kindern fand er immer belastend. Ich hatte für Ruhe zu sorgen und ihm den Rücken freizuhalten.

Beim Auszug meinte er, er sei einfach kein Familienmensch und er wolle nie wieder eine Familie haben.

So lebte er nun unbeschwert und frei sein Leben. Die Kinder nahm er über Monate nicht zu sich. Irgendwann hatte er dann doch wieder Interesse an gelegentlichen Vaterwochenenden. Aber sie mussten gut in sein Leben passen. In dieser Zeit gab es keine Verlässlichkeit. Entweder es war ein Vaterwochenende geplant, dass spontan abgesagt wurde. Oder er forderte die Kinder an Wochenenden an, an denen ganz anderes geplant war. Bereits zu dieser Zeit, nutze er die Zeit mit den Kindern, um ihnen deutlich zu machen, wie schlecht es ihm und wie gut es mir gehen würde.

Einmal berichteten die Kinder ganz entsetzt, dass sich der Vater durch die Trennung noch nicht einmal einen Kochlöffel kaufen könne um den Kindern am Wochenende etwas zu kochen.

Im Sommer wollte er dann wieder einmal das Vater Wochenende absagen. Ich musste an diesem Wochenende jedoch arbeiten und war auf die Betreuung angewiesen. Das ich seinem Wunsch nicht folgen konnte oder ich seine Anweisung nicht umsetzte empfand er als Provokation und Schikane. Und so schrie er mich an:

Ich nehm dir die Kinder weg!

Dies sollte leider keine leere Drohung bleiben.


Es folgten viele Jahre, in denen meine Kinder stark manipuliert wurden. Immer wieder wurden große Unternehmungen oder auch Urlaube an meinen Wochenenden oder in der Zeit der Ferien, in denen die Kinder bei mir waren, geplant.

Natürlich wurde ich erst mit ins Boot genommen, wenn die Planung abgeschlossen und die Kinder hochmotiviert waren. Wenn ich dann einen Einwand hatte, war ich natürlich die böse Mutter, die dem tollen Vater und den Kindern immer wieder Steine in den Weg legt.

Regelmäßig wurde den Kindern unterbreitet, wie unfähig ich sei und was der Vater den Kindern alles tolles bieten würde und könnte.

Mein Ex-Mann suchte sich eine neue Freundin nach der anderen, immer mit dem Hinweis an die Kinder was für eine tolle Mutter die Neue doch sei.

Ich sei ersetzbar. Jeder könne Kinder großziehen.

Ich meldete mich beim Jugendamt, ließ eine Akte anlegen und berichtete über die Vorfälle und die Manipulation. Beim Zuhören bekam ich nur Beschwichtigungen.

Ich solle einfach gelassen bleiben und den Vater reden lassen, wenn ich mit den Kindern alles richtig machen würde, dann könnte gar nichts passieren.


Nächste Woche geht es mit Anne’s Geschichte, im zweiten Teil weiter.


Zum Schluss ein ein Tipp zum Anhören: Youtube ===Anna Pelz

(C) Anna Pelz 2023